Aufstellungsarbeit

Aufstellungen – Bewegungen der Seele im Gruppensetting

Bei der Aufstellungsarbeit in Gruppen nutzten wir die stellvertretende Wahrnehmung von fremden Personen. Wenn der Rahmen richtig gesetzt ist, kann eine mit dem System gänzlich unvertraute Person, die z. B. für jemandem in einem Familiensystem steht, die Empfindungen und Bindungen und die Richtung, „wohin-es-einen-zieht“, buchstäblich am eigenen Leibe erfahren.

Die Stellvertreter machen über ihre Körper und Impulse sichtbar, was an verborgener Dynamik im System und in der Seele der Beteiligten wirkt. Und wenn so bislang Verborgenes in der Seele ans Licht kommt, werden andere Lösungen möglich.

Dies geht, weil in der Aufstellungsarbeit etwas wirkt, was häufig als „wissendes Feld“ bezeichnet wird. Die Stellung in einem System erzeugt nach einer kurzen Zeit, dass die Stellvertreter spüren, was wichtig ist für die Person, für die sie stehen, von welchen Kräften und Beziehungen sie gehalten und geführt wird.

Familienaufstellungen – die Herkunftsfamilie

Hier liegt die Keimzelle der Aufstellungsarbeit – und sie hat bis heute nichts an ihrer zentralen Bedeutung verloren. In der Herkunftsfamilie machen wir die ersten Erfahrungen mit Zugehörigkeit und Hinbewegung – wie auch mit Ausgeschlossenheit oder der Unterbrechung einer Hinbewegung. Hier machen wir auch die Erfahrungen grundlegender Liebe – oder der Blockierungen im freien Fluss der Liebe und des Lebens. Und hier machen wir die Erfahrung, was es bedeutet und welche Wirkungen es hat, einen Platz in einem System einzunehmen – im Guten wie im nicht so Guten, im Segensreichen wie im Schicksalshaften.

Familienaufstellungen – die Gegenwartsfamilie, Partnerschaften und Kinder

Auf das System der Gegenwartsfamilie zu schauen, stellt in erster Linie die Fragen: Welche Dynamiken wirken in deiner Partnerschaft? Was wirkt – auf die eine oder andere Art – in deinen Kindern fort? Oft geht es hier darum, dass das System der Gegenwartsfamilie belastet wird durch die Herkunftsfamilien. Oder es geht um Probleme in der Verbindung der beiden Stränge, die aus den Herkunftsfamilien der Eltern in die Gegenwartsfamilie hineinwirken.
Aber auch die seelischen Hintergründe ungewollter Partnerlosigkeit oder Kinderlosigkeit, die Einflüsse vergangener Partnerschaften auf die jetzige Partnerschaft oder die (oft unerkannten) Nachwirkungen toter bzw. früh gestorbener Nachkommen (Abtreibungen, Fehlgeburten, früher Kindstod) im aktuellen Familiensystem gehören hier hinein.

Organisationsaufstellungen

Ob Organisationen und Betriebe eine Seele haben – das ist eine durchaus offene Frage. Mitunter scheint es so zu sein. Ganz sicher aber haben die Angehörigen einer Organisation, die in ihr Tätigen, eine Seele.

In Organisationsaufstellungen werden die Dynamiken sichtbar, die für Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens oder einer Organisation, für ihr Ansehen bei ihren Kunden und für die Loyalität der Mitarbeiter wichtig sind.

Ebenso wie in Familien wirken hier – oft untergründig – Gesetzmäßigkeiten der Rangfolge, der Zugehörigkeit, des Ausgleiches von Geben und Nehmen, des Vorranges des Früheren gegenüber dem Späteren (usw.). Auch hier gibt es ungünstig wirkende Verstrickungen oder Anmaßungen oder mangelnde Würdigung von Ausgeschlossenen. Und natürlich gibt es auch erfolgsfördernde Haltungen, die mit den seelischen Bewegungen der Beteiligten und des übergreifenden Größerem gehen.

Allerdings gelten in Organisationen die Regeln in modifizierter Weise. Während die Zugehörigkeit zu einer Herkunftsfamilie keine freie Wahl ist, sondern eine existenzielle (schicksalhafte) Verbindung darstellt, ist die Zugehörigkeit zu einem Unternehmen oder einer Organisation frei gewählt. Und sie kann auch in einer freien Wahl durch den eigenen Austritt beendet werden.

Organisationsaufstellungen können eine wirksame Systemdynamik in einer Organisation sichtbar machen, die sich z. B. einem rein unternehmensberaterischen Ansatz entzieht.

Wie oft in der Aufstellungsarbeit sind aber die verschiedenen Formen der Aufstellungsarbeit nicht so strikt getrennt. Manche Probleme in Organisationen verweisen sehr direkt auf familiäre Konstellationen. Besonders deutlich wird dies in Familienbetrieben. Aber auch in anderen Organisationen steht die Firma im seelischem Vollzug oft stellvertretend oder übertragen für die Familie der Mitarbeiter oder Unternehmensführer – sei es die Herkunftsfamilie oder die Gegenwartsfamilie. Deutlich wird dies z. B. bei Führungskonflikten, die mitunter auf eine familiäre Konfliktdynamik in der Herkunftsfamilie – oft mit dem Vater – verweisen. Eine systemische Aufstellung kann hier deutlich zeigen, ob ein ursprünglich unternehmensbezogenes Anliegen auf eine anders gelagerte Dynamik der Beteiligten hindeutet.

Archetyp-Aufstellungen

In manchen Aufstellungen erweist es sich als notwendig, sogenannte Archetypen aufzustellen. Archetypen, Ur-Bilder, die in jeder Seele, wenn auch in unterschiedlicher Form und Gewichtung, auftreten, sind Gestalten und Gestaltungen in jeder Seele. Sie entsprechen daher dem kollektiven Unbewussten.

So wie es in Familiendynamiken oft um die Ausgeschlossenen und die Nicht-Gewürdigten im System geht, so geht es bei der Arbeit mit den Archetypen um die ausgeschlossenen und nicht gewürdigten Teilpersönlichkeiten in der eigenen Person.

In manchen psychologischen Ansätzen wird dies als Arbeit mit dem „inneren Team“ adressiert. (Das oft beschworene „innere Kind“ ist ein Teil dieses „inneren Teams“.) Allerdings erscheint das Bild eines „Teams“ fast zu schwach – obwohl es nicht falsch ist – für die Prozesse, mit denen wir es bei der Arbeit mit den Archetypen zu tun haben.
Die Ur-Gestalten in jeder Seele unterliegen nämlich nicht der Freiwilligkeit und in gewisser Weise auch Willkürlichkeit, die wir bei Teams finden. Die Urgestalten in jeder Seele sind in ihrer Zugehörigkeit nicht verhandelbar. Nur ihre Stellung und ihre konkrete Konstellation in der jeweiligen Seele kann variieren. Ein Archetyp wie der „innere Krieger“ lebt in jedem von uns. Und wenn wir ihn „weg haben“ wollen, geht er in den seelischen Untergrund. Dort wirkt er dann als Terrorist oder Saboteur.

Systemische Strukturaufstellungen

Bei systemischen Strukturaufstellungen stehen die Repräsentanten nicht so sehr für konkrete Personen, sondern für etwas abstraktere Gegebenheiten, die mit seelischem Geschehen zu tun haben. Es können z. B. bei Krankheiten Symptome aufgestellt werden (Symptomaufstellungen) oder auch der „heimliche Gewinn“, den eine Person aus dieser Krankheit oder allgemein einem Problem zieht.

Im Rahmen von Zielaufstellungen werden neben dir als Anliegengeber (Fokus) die Hindernisse, Ressourcen, der verdeckte Gewinn der Nichterreichung eines Zieles und die mit dem Ziel verbundene zukünftige Aufgabe aufgestellt.

Bei Tetralemmaaufstellungen können schwierige Entscheidungssituationen einer völlig neuen Sichtweise zugeführt werden, die oft die Erstarrung des „Sich-nicht-Entscheiden-Könnens“ nicht nur aufhebt, sondern in eine neue Qualität der Entscheidung und des Handelns überführt.

Auch die Aufstellung von hinderlichen Glaubensätzen und Überzeugungen, von persönlichen Werten oder von inneren wie äußeren Konflikten kann mit oft großem Erkenntnisgewinn durchgeführt werden. Bei kreativen Prozessen kann auch eine Aufstellung von fiktiven Charakteren etwa eines Romans oder eines Filmskripts (Drehbuchaufstellungen) hilfreich sein, um mehr über Motivationen und die Tiefenstruktur eines fiktiven Charakters sichtbar werden zu lassen, so dass die zu erzählende Geschichte an Tiefe und Glaubwürdigkeit gewinnt.

Derselbe Wind lässt viele Drachen steigen

Die oben genannten Formen von Aufstellungen sind nicht so separat, wie es in der Beschreibung erscheinen mag. Und die möglichen Aufstellungsformen sind keinesfalls erschöpfend beschrieben. Oft gehen die Formen im Verlauf einer Aufstellung ineinander über, etwa, wenn sich bei einer Aufstellung der Gegenwartsfamilie zeigt, dass eine signifikante Belastung dieses Familiensystems aus der Herkunftsfamilie des Aufstellenden herrührt. Dann wird aus einer Aufstellung des Gegenwartssystems eine Aufstellung des Herkunftssystems. Umgekehrt kann es sich in einer Aufstellung eines Familiensystems als notwendig und sogar zentral erweisen, einen Betrieb oder eine Organisation aufzustellen – bei Familienbetrieben ist dies durchaus nicht selten. (Aber auch aus anderen Gründen kann es sein, dass ein Familienmitglied mehr mit einer Organisation seelisch „verheiratet“ ist, als mit seinem Ehepartner.)

Eine Aufstellung geht aus von deinem Anliegen. Von deinem seelischem Anliegen. Und die Aufstellung selber zeigt dann, was wirklich – also tatsächlich wirkend – deine Seele bewegt. Daraus ergibt und entwickelt sich die passende Aufstellungsform.
Die Aufstellung wird zeigen, was jetzt in deiner Seele „ans Licht gebracht“ werden will. Das ist sicher. Vorausgesetzt, du gehst nicht mit einer festen Vorstellung in die Aufstellung, wie sie zu sein habe, oder noch schlimmer, was sie zu zeigen habe.

Wenn du dich unvoreingenommen in eine Aufstellung begibst, dann kann in deiner Seele etwas in Bewegung geraten. Eine Seelen-Bewegung, die in die Heilung führt und in den Fluss des Lebens, deines Lebens.