Familienaufstellung

Bei einer Familienaufstellung geht es darum, die systemischen Verstrickungen in den Blick zu nehmen, welche mich einerseits an mein Familiensystem binden und andererseits vielleicht negative Wirkungen auf mich haben und meinen vollen Lebensvollzug behindern. Solche systemische Verstrickungen können der Hintergrund von körperlichen oder psychischen Erkrankungen, unerwünschten Gefühlen, ungünstigen Handlungen oder auch mangelndem Erfolg in bestimmten Lebensbereichen sein.
Auf dieser Seite erfährst du mehr über solche systemischen Verstrickungen, das Vorgehen in einer Familienaufstellung, die möglichen Wirkungen, die Kosten sowie die möglichen Formen einer Aufstellung.

Systemische Verstrickungen

In den Familienaufstellungen zeigt sich, dass Familiensysteme dazu neigen, später geborene „in den Dienst“ zu nehmen für etwas, was früher geschehen ist. Es wirkt so, als ob es in Familiensystemen eine Kraft gibt, die über die späteren Familienmitglieder erinnern möchte: An schwere Schicksale und an Verschwiegenes.

Dazu ein Beispiel: Es kann z.B. sein, dass eine Frau bemerkt, dass sie eine ziemliche Wut auf ihren Mann hat, obwohl sie klar merkt, nichts am Verhalten ihres Mannes gibt dazu einen Anlass. In der Familienaufstellung stellt sich dann vielleicht heraus: Die Mutter der Frau hätte Grund gehabt, auf ihren Man wütend zu sein. Hier wäre das Gefühl angemessen gewesen. Die Mutter hat es sich aber nie erlaubt. Also hat jetzt – stellvertretend – die Tochter dieses Gefühl, und es überkommt sie, ohne dass sie etwas dagegen tun kann, ihrem Mann gegenüber. [*]

Und die heilende Wirkung setzt ein, wenn die bislang verborgenen Personen oder Geschehnisse, die fremdübernommenen Gefühle erkannt, anerkannt und gewürdigt werden.

Aber hier ist eine Warnung angebracht: Die obige Formulierung klingt so einfach: Wenn es einmal erkannt ist, ist alles gelöst. Es kommt aber auf den „inneren Vollzug“ an. Ob es wirklich gelingt, dass was sich in einer Familienaufstellung zeigt, in das eigene Herz aufzunehmen. Und das ist mitunter nicht ganz so leicht und geschieht meist nicht über Nacht. Oft ist es (leider) einfacher, weiter zu leiden als die Lösung innerlich zu vollziehen.
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[*] Anmerkung: Wir sprechen hier im Rahmen der Familienaufstellungen von einer „doppelten Verschiebung“ eines Gefühls. Das Gefühl ist verschoben im Subjekt wie im Objekt. Es wird von der Tochter als Subjekt empfunden, obwohl es nicht ihr Gefühl ist, sondern das ihrer Mutter. Und es richtet sich an das falsch Objekt, nämlich ihren Mann, statt an den Mann ihrer Mutter, also ihren Vater.

Das Vorgehen bei Familienaufstellungen

Bei Familienaufstellungen wird zunächst von der Person, um die es geht, das Anliegen benannt. Worum geht es? Um welches Gefühl oder welche Schwierigkeiten im Lebensvollzug?

Dann werden aus einer Gruppe[*] Stellvertreter ausgewählt: Ein Stellvertreter für die Person mit dem Anliegen und Stellvertreter für die wesentlichen Mitglieder des Familiensystems. Diese Stellvertreter werden im Raum zueinander aufgestellt, die Person mit dem Anliegen schaut erst einmal nur zu. Und dann gibt man den Stellvertretern etwas Zeit, sich in die Rolle einzufühlen. Nach einiger Zeit ergeben sich Reaktionen bei den Stellvertretern. Das können körperliche Empfindungen sein („Mir wird ganz heiß und mein Magen krampft sich zusammen“) oder Tendenzen in der Orientierung („Ich muss immer zu ihr hin schauen“) oder Gefühle („Ich spüre eine Wut auf sie“) oder auch ein Impuls, sich bewegen zu wollen („ich würde gerne näher zu ihm gehen“).

Im Verlauf der Familienaufstellungen werden die Stellvertreter nach diesen Impulsen gefragt. Und es wird getestet, was sich verändert, für einen einzelnen Stellvertreter oder auch andere Stellvertreter, wenn die Positionen sich verändern oder ggf. auch neue Stellvertreter mit in die Aufstellung hinein genommen werden.

Während die Aufstellung sich entfaltet, wird an den Reaktionen der Stellvertreter zunehmend deutlich, was die zentrale seelische Dynamik im konkreten Einzelfall ist – und wo die Lösung liegt.
An einem bestimmten Punkt wird der Stellvertreter für die Person mit dem Anliegen ausgetauscht und die Person mit dem Anliegen nimmt ihren eigenen Platz ein.

Diese seelische Bewegung wird in der Aufstellung wird unterstützt dadurch, dass den Protagonisten in der Aufstellung bestimmte Sätze vorgeschlagen werden, die sie zu anderen Protagonisten sagen. Wobei die Stellvertreter immer prüfen, ob diese Sätze in dieser Form stimmig sind und sie gegebenenfalls abwandeln. In dem obigen Beispiel einer doppelten Verschiebung könnte so ein „lösender Satz“ sein, dass die Tochter zur Mutter sagt: „Mama: Bitte schau freundlich auf mich, wenn ich einen gute Ehe lebe, auch wenn du keine gute Ehe hattest.“

Die Familienaufstellung wird beendet, wenn deutlich geworden ist, was die wirkende seelische Dynamik ist und welche innere Haltung wem gegenüber im Familiensystem seitens der Person mit dem Anliegen gefordert ist, um die ursprüngliche Liebe wieder in Fluss zu bringen.

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[*] Familienaufstellungen werden meist im Rahmen einer Gruppenveranstaltung und mit Stellvertretern durchgeführt. Es ist jedoch auch möglich, in leicht abgewandelter Form, eine Familienaufstellung in Einzelarbeit zu machen. Mehr dazu weiter unten auf dieser Seite unter dem Punkt "Aufstellungen in der Einzelarbeit".

Das „wissende Feld“

Es ist immer wieder überraschend, wie punktgenau oft die Reaktionen und Empfindungen der Stellvertreter in Familienaufstellungen sind. Wir sprechen hier von der „stellvertretenden Wahrnehmung“ durch die Protagonisten in Familienaufstellungen.

Die Frage stellt sich: Woher wissen Stellvertreter, die weder die Person mit dem Anliegen noch deren Familiensystem näher kennen, etwas über die seelische Bewegungen in diesem Familiensystem?

Die Beschreibung hierzu – und mehr als ein Beschreibung ist es erst einmal nicht – wäre: Im Rahmen von Familienaufstellungen entsteht so etwas wie ein „wissendes Feld“. Man könnte es auch eine Form des kollektiven Unbewussten nennen. Die Stellvertreter erhalten ihre Empfindungen und Impulse in Familienaufstellungen aus diesem „wissenden Feld“ und sie stellen sich als Organ zur Verfügung, um diese Empfindungen und Impulse sichtbar zu machen.

Warum genau das so ist und funktioniert, ist nicht ganz klar – und manchmal mit dem Verstand schwer zu begreifen. Im Blogbereich habe ich in einem 3-teiligen Artikel nähere Überlegungen und Beschreibungen zum wissenden Feld und zur stellvertretenden Wahrnehmung ausgeführt: Das wissende Feld - Teil 1, Das wissende Feld - Teil 2 und Das wissende Feld - Teil 3.
Für die Durchführung einer Familienaufstellung reicht es aber, zu wissen (und zu vertrauen), DASS es dieses wissende Feld gibt und sich ihm anzuvertrauen. Auch die Leitung von Familienaufstellungen muss sich dem wissenden Feld anvertrauen und aus einer Haltung des „Nicht-Wissens“ agieren, sonst wird alles schief. Dieser Verzicht auf Vorannahmen, Theorien oder scheinbares Wissen darüber, was in der Seele der Beteiligten und des Systems wirkt, ist die größte Herausforderung in Familienaufstellungen. Sowohl für die Protagonisten wie auch für die Leitung.

Wirkungen von Familienaufstellungen

Die Wirkungen von Familienaufstellungen liegen natürlich zunächst bei der Person, die mit einem Anliegen eine Familienaufstellung macht. Die Wirkungen im Einzelnen sind natürlich hoch spezifisch und in jedem Einzelfall anders. Aber allgemein kann man sagen, dass die Wirkung fast immer so ist, dass sich ein leichteres und freieres Lebensgefühl einstellt. Dass Gefühle von Liebe und Verbundenheit freier fließen können. Und dass die Person mehr in ihre Kraft kommt.
Manchmal verschwinden bestimmte Probleme oder Symptome einfach, manchmal verlieren sie die Qualität des Übermächtigen, es sind dann lediglich Aufgaben, die man klarer und gelassener bewältigen kann.

Oft ist es auch so, dass sich nach einer Familienaufstellung etwas im gesamten Familiensystem bewegt, auch bei Mitgliedern des Familiensystems, die von der Aufstellung gar nichts wussten. Es werden plötzlich Gespräche möglich, die vorher nicht möglich waren. Oder Mitglieder des Familiensystems, mit denen lange kein Kontakt bestand, melden sich mit einem mal wieder.
Obwohl solche indirekten Wirkungen im Familiensystem sich oft einstellen, darf man das nicht erwarten. Eher im Gegenteil: Wenn ich zu eindeutige Erwartungshaltungen habe, wie sich jetzt andere in meinem System verändern müssten, treten diese erwünschten Veränderungen eher nicht ein. Diese Wirkungsebene lebt eher vom Überraschenden und Unvorhergesehenen.

Und nicht zuletzt haben Familienaufstellungen auch Wirkungen bei den Stellvertretern oder Beobachtern einer Aufstellung. Weil jedes Thema in einer fremden Aufstellung auch etwas in mir in Resonanz bringt, wenn ich „nur“ als Stellvertreter oder Beobachter mitwirke.
Der Hintergrund ist hier, dass die Themen einer Familienaufstellung etwas mit den Archetypen, den Ur-Bildern in der Seele eines jeden Menschen zu tun haben. Und diese Archetypen oder Ur-Bilder in der Seele sind nicht individuell, sondern gehören zum Bestand des kollektiven Unbewussten. (Hier findest mehr zu den Wirkungen auf Stellvertreter und Beobachter.)

Kosten einer Aufstellung

Aufstellung in einer Gruppenveranstaltung:

  • Teilnahme mit eigener Aufstellung: € 100,-
  • Teilnahme ohne eigene Aufstellung (Beobachter/Stellvertreter): € 15,-

Aufstellung in Einzelarbeit:

  • Termine mit 60 Minuten Dauer: € 100,-
  • Termine mit 90 Minuten Dauer: € 140,-

Aufstellungen in der Gruppe

Bei Familienaufstellungen in der Gruppe wählt die Person mit dem Anliegen aus der Gruppe Stellvertreter aus. Diese werden im Raum aufgestellt nach dem inneren Bild, welches die Person von ihrer Familie und dem Thema hat. Bei den Stellvertretern stellen sich dann „stellvertretende Wahrnehmungen“ in Form von Gefühlen, Körperempfindungen oder Impulsen ein. Mit diesen Reaktionen der Stellvertreter arbeiten wir dann, um die seelischen Bewegungen in diesem Anliegen sichtbar zu machen und einer guten Lösung zuzuführen.

Termine

Die nächsten Termine für Aufstellungsgruppen sind:

  • Samstag, 26. November 2022  14 Uhr - ca. 16:30 Uhr [Ort: KORONA-Raum]
  • Donnerstag, 15. Dezember 2022  18:30 Uhr - ca. 21:00 Uhr [Ort: ZENIT]

Weitere Termine und die Angaben zu den Veranstaltungsorten >>

Hier kannst Du dich für einen der Gruppentermin anmelden >>

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Kosten Aufstellung in einer Gruppe

Kosten für die Teilnahme an Aufstellungen in einer Gruppenveranstaltung:

  • Teilnahme mit eigener Aufstellung: € 100,-
  • Teilnahme ohne eigene Aufstellung (Beobachter/Stellvertreter): € 15,-

Aufstellungen in der Einzelarbeit

Ursprünglich wurden Familienaufstellungen ausschließlich als Gruppenveranstaltungen durchgeführt. Die Gruppenteilnehmer stehen dabei als Stellvertreter in der Aufstellung zur Verfügung. Etwas später haben sich jedoch auf Formen und Methoden herausgebildet, wie mit Familienaufstellungen und systemischen Strukturaufstellungen in der Einzelarbeit, also zum Beispiel im Rahmen einer Psychotherapie oder einer Beratung, gearbeitet werden kann.

Bei einer Familienaufstellung in der Einzelarbeit arbeiten wir nicht mit Personen als Stellvertretern. Die Beziehungen im Familiensystem werden mit Papier auf dem Boden markiert. Der Klient oder die Klientin geht dann selber in die Stellvertretung, zunächst für sich selbst, dann aber auch für alle anderen Positionen. Wir spüren dann dem nach, was in jeder Wahrnehmungsposition empfunden werden kann. Auch hier werden so die seelischen Bewegungen und Unterströmungen einerseits erfahrbar gemacht und andererseits werden Lösungen deutlich.

Das Vorgehen bei Aufstellungen in Einzelarbeit

Es gibt unterschiedliche Formen, eine Familienaufstellung in der Einzelarbeit durchzuführen. Manche arbeiten mit Figuren auf einem Tisch oder einem Brett, manchmal wird die Aufstellung auch rein in Vorstellung des Klienten durchgeführt, der dazu in eine leichte Trance versetzt wird. Ich selber arbeite mit sog. Bodenankern. Das bedeutet: Es gibt Zettel mit den Namen der Protagonisten und einer Markierung für die Blickrichtung, die entsprechend dem inneren Bild der Person mit dem Anliegen auf dem Boden im Raum ausgelegt werden. Das ist dann das Anfangsbild.

Meist gehe zunächst einmal ich in die Stellvertretung für alle aufgestellten Personen und fühle mich ein. Dann stellt sich die Person, um die es geht, zunächst auf die eigene Position und lässt von hier aus die Konstellation mit allen Eindrücken, Gefühlen usw. auf sich wirken. Anschließend geht die Person nacheinander auf die anderen Positionen und spürt dem nach, was hier empfunden werden kann. Wie in einer Familienaufstellung in der Gruppe werden bestimmt Sätze gesagt zu den anderen Protagonisten, die in dem Fall nur in der Vorstellung auf ihren Zetteln stehen. Ebenso werden genau wie in der Gruppe die Positionen schrittweise verändert bis hin zum Lösungsbild.

Ausführlichere Beschreibungen zur Familienaufstellung in Einzelarbeit findest du in einem Blogbeitrag und in einem Video von mir.

Aufstellung ohne Stellvertreter?

Genau genommen gibt es zwar keine fremden Personen als Stellvertreter, aber es gibt Stellvertretung. Die Person mit dem Anliegen geht selber Zug um Zug in die Stellvertretung und erlebt aus diesen Perspektiven. Genau wie in einer Gruppenveranstaltung entfaltet sich so das wissende Feld und die Einsichten treten zu Tage. Auch hier kann über das „im Feld stehen“ eine verborgene seelische Dynamik erfahrbar werden, wenn man sich ganz dem Feld anvertraut. Auch wenn die jeweils anderen Personen nicht durch einen realen Menschen, sondern durch ein Blatt Papier auf dem Boden repräsentiert sind.

Die Erfahrung zeigt, dass Aufstellungen im Einzelsetting dieselbe seelische Intensität entfalten und ähnlich Wirkungen zeitigen kann wie eine Aufstellung in der Gruppe.

Vor- und Nachteile der Aufstellung in der Einzelarbeit

Ein pragmatischer Vorteil von Aufstellungen in der Einzelarbeit ist, dass der Termin zeitlich flexibel und meist auch kurzfristig vereinbart werden kann. Auch ist für manche Menschen der Gedanke unangenehm, sich mit ihrem Anliegen und den familiären Hintergründen vor einer Gruppe von fremden Menschen sozusagen „outen“ zu sollen. Wenn diese innere Hürde besteht, ist der Zugang zu einer Einzelaufstellung leichter.

Auf der anderen Seite ist es leichter, die Aufstellung des eigenen Anliegens zunächst einmal rein beobachtend von außen zu betrachten, während die Stellvertreter ihre Wahrnehmungen im Feld kundtun. Bei einer Einzelaufstellung ist man als Klientin oder Klient von Anfang an stärker gefordert.

Kosten einer Aufstellung in Einzelarbeit

Die Kosten einer Aufstellung in Einzelarbeit betragen:

  • Termine mit 60 Minuten Dauer: € 100,-
  • Termine mit 90 Minuten Dauer: € 140,-

In den meisten Fällen dauert eine Aufstellung etwa eine Stunde. Manchmal werden aber auch 1 1/2 Stunden benötigt.
Es ist nicht möglich, im Vorhinein zu sagen,  wie lange eine Aufstellung dauern wird. Der tatsächliche Zeitbedarf ergibt sich erst im Verlauf der Aufstellung.

Hier kannst Du für dich einen Termin für eine Familienaufstellung in Einzelarbeit vereinbaren>>

Formen der Aufstellungsarbeit

Aufstellungen können nicht nur für Familienthemen – sei es die Herkunftsfamilie oder die Gegenwartsfamilie – nützlich sein. Es können auch andere Systeme wie z.B. Unternehmen sowie Unternehmensteile und dort bestehende Schwierigkeiten aufgestellt werden. Oder man stellt z. B. Ziele und deren Blockaden auf oder auch Krankheiten / Symptome und deren seelische Bedeutung. Auch in Entscheidungssituationen kann man die seelischen Wirkungen der möglichen Varianten aufstellen. Solche Aufstellungsformen werden auch – im Gegensatz zur klassischen Familienaufstellung – als "Strukturaufstellungen" bezeichnet.

Aufstellungen – Bewegungen der Seele im Gruppensetting

Bei der Aufstellungsarbeit in Gruppen nutzten wir die stellvertretende Wahrnehmung von fremden Personen. Wenn der Rahmen richtig gesetzt ist, kann eine mit dem System gänzlich unvertraute Person, die z. B. für jemandem in einem Familiensystem steht, die Empfindungen und Bindungen und die Richtung, „wohin-es-einen-zieht“, buchstäblich am eigenen Leibe erfahren.

Die Stellvertreter machen über ihre Körper und Impulse sichtbar, was an verborgener Dynamik im System und in der Seele der Beteiligten wirkt. Und wenn so bislang Verborgenes in der Seele ans Licht kommt, werden andere Lösungen möglich.

Dies geht, weil in der Aufstellungsarbeit etwas wirkt, was häufig als „wissendes Feld“ bezeichnet wird. Die Stellung in einem System erzeugt nach einer kurzen Zeit, dass die Stellvertreter spüren, was wichtig ist für die Person, für die sie stehen, von welchen Kräften und Beziehungen sie gehalten und geführt wird.
In diesem YouTube-Video beschreibe ich beispielhaft eine solche Familienaufstellung und die dort wirksamen seelischen Bewegungen.

Familienaufstellungen in der Einzelarbeit

Bei Familienaufstellungen in der Einzelarbeit bilden wir das Familiensystem, die für das jeweilige Anliegen wichtigen Personen und Sachverhalte, über Zettel auf dem Boden ab. Je nach Bedarf gehe ich abwechseln mit der Klientin oder dem Klientin in die verschiedenen Positionen. Es gibt also keine fremden Stellvertreter, sehr wohl aber eine Stellvertretung im „wissenden Feld".

Aufstellungen in der Einzelarbeit unterscheiden sich in ihrer Tiefe und in ihrer Wirksamkeit nicht von Aufstellungen in einer Gruppe. Näheres zur Aufstellung in der Einzelarbeit habe ich in einem YouTube-Video erläutert.

Familienaufstellungen – die Herkunftsfamilie

Hier liegt die Keimzelle der Aufstellungsarbeit – und sie hat bis heute nichts an ihrer zentralen Bedeutung verloren. In der Herkunftsfamilie machen wir die ersten Erfahrungen mit Zugehörigkeit und Hinbewegung – wie auch mit Ausgeschlossenheit oder der Unterbrechung einer Hinbewegung. Hier machen wir auch die Erfahrungen grundlegender Liebe – oder der Blockierungen im freien Fluss der Liebe und des Lebens. Und hier machen wir die Erfahrung, was es bedeutet und welche Wirkungen es hat, einen Platz in einem System einzunehmen – im Guten wie im nicht so Guten, im Segensreichen wie im Schicksalshaften.

Familienaufstellungen – die Gegenwartsfamilie, Partnerschaften und Kinder

Auf das System der Gegenwartsfamilie zu schauen, stellt in erster Linie die Fragen: Welche Dynamiken wirken in deiner Partnerschaft? Was wirkt – auf die eine oder andere Art – in deinen Kindern fort? Oft geht es hier darum, dass das System der Gegenwartsfamilie belastet wird durch die Herkunftsfamilien. Oder es geht um Probleme in der Verbindung der beiden Stränge, die aus den Herkunftsfamilien der Eltern in die Gegenwartsfamilie hineinwirken.
Aber auch die seelischen Hintergründe ungewollter Partnerlosigkeit oder Kinderlosigkeit, die Einflüsse vergangener Partnerschaften auf die jetzige Partnerschaft oder die (oft unerkannten) Nachwirkungen toter bzw. früh gestorbener Nachkommen (Abtreibungen, Fehlgeburten, früher Kindstod) im aktuellen Familiensystem gehören hier hinein.

Organisationsaufstellungen

Ob Organisationen und Betriebe eine Seele haben – das ist eine durchaus offene Frage. Mitunter scheint es so zu sein. Ganz sicher aber haben die Angehörigen einer Organisation, die in ihr Tätigen, eine Seele.

In Organisationsaufstellungen werden die Dynamiken sichtbar, die für Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens oder einer Organisation, für ihr Ansehen bei ihren Kunden und für die Loyalität der Mitarbeiter wichtig sind.

Ebenso wie in Familien wirken hier – oft untergründig – Gesetzmäßigkeiten der Rangfolge, der Zugehörigkeit, des Ausgleiches von Geben und Nehmen, des Vorranges des Früheren gegenüber dem Späteren (usw.). Auch hier gibt es ungünstig wirkende Verstrickungen oder Anmaßungen oder mangelnde Würdigung von Ausgeschlossenen. Und natürlich gibt es auch erfolgsfördernde Haltungen, die mit den seelischen Bewegungen der Beteiligten und des übergreifenden Größerem gehen.

Allerdings gelten in Organisationen die Regeln in modifizierter Weise. Während die Zugehörigkeit zu einer Herkunftsfamilie keine freie Wahl ist, sondern eine existenzielle (schicksalhafte) Verbindung darstellt, ist die Zugehörigkeit zu einem Unternehmen oder einer Organisation frei gewählt. Und sie kann auch in einer freien Wahl durch den eigenen Austritt beendet werden.

Organisationsaufstellungen können eine wirksame Systemdynamik in einer Organisation sichtbar machen, die sich z. B. einem rein unternehmensberaterischen Ansatz entzieht.

Wie oft in der Aufstellungsarbeit sind aber die verschiedenen Formen der Aufstellungsarbeit nicht so strikt getrennt. Manche Probleme in Organisationen verweisen sehr direkt auf familiäre Konstellationen. Besonders deutlich wird dies in Familienbetrieben. Aber auch in anderen Organisationen steht die Firma im seelischem Vollzug oft stellvertretend oder übertragen für die Familie der Mitarbeiter oder Unternehmensführer – sei es die Herkunftsfamilie oder die Gegenwartsfamilie. Deutlich wird dies z. B. bei Führungskonflikten, die mitunter auf eine familiäre Konfliktdynamik in der Herkunftsfamilie – oft mit dem Vater – verweisen. Eine systemische Aufstellung kann hier deutlich zeigen, ob ein ursprünglich unternehmensbezogenes Anliegen auf eine anders gelagerte Dynamik der Beteiligten hindeutet.

Archetyp-Aufstellungen

In manchen Aufstellungen erweist es sich als notwendig, sogenannte Archetypen aufzustellen. Archetypen, Ur-Bilder, die in jeder Seele, wenn auch in unterschiedlicher Form und Gewichtung, auftreten, sind Gestalten und Gestaltungen in jeder Seele. Sie entsprechen daher dem kollektiven Unbewussten.

So wie es in Familiendynamiken oft um die Ausgeschlossenen und die Nicht-Gewürdigten im System geht, so geht es bei der Arbeit mit den Archetypen um die ausgeschlossenen und nicht gewürdigten Teilpersönlichkeiten in der eigenen Person.

In manchen psychologischen Ansätzen wird dies als Arbeit mit dem „inneren Team“ adressiert. (Das oft beschworene „innere Kind“ ist ein Teil dieses „inneren Teams“.) Allerdings erscheint das Bild eines „Teams“ fast zu schwach – obwohl es nicht falsch ist – für die Prozesse, mit denen wir es bei der Arbeit mit den Archetypen zu tun haben.
Die Ur-Gestalten in jeder Seele unterliegen nämlich nicht der Freiwilligkeit und in gewisser Weise auch Willkürlichkeit, die wir bei Teams finden. Die Urgestalten in jeder Seele sind in ihrer Zugehörigkeit nicht verhandelbar. Nur ihre Stellung und ihre konkrete Konstellation in der jeweiligen Seele kann variieren. Ein Archetyp wie z.B. der „innere Krieger“ lebt in jedem von uns. Und wenn wir ihn „weg haben“ wollen, geht er in den seelischen Untergrund. Dort wirkt er dann als Terrorist oder Saboteur.

Systemische Strukturaufstellungen

Bei systemischen Strukturaufstellungen stehen die Repräsentanten nicht so sehr für konkrete Personen, sondern für etwas abstraktere Gegebenheiten, die mit seelischem Geschehen zu tun haben. Es können z. B. bei Krankheiten Symptome aufgestellt werden (Symptomaufstellungen) oder auch der „heimliche Gewinn“, den eine Person aus dieser Krankheit oder allgemein einem Problem zieht.

Im Rahmen von Zielaufstellungen werden neben dir als Anliegengeber (Fokus) die Hindernisse, Ressourcen, der verdeckte Gewinn der Nichterreichung eines Zieles und die mit dem Ziel verbundene zukünftige Aufgabe aufgestellt.

Bei Tetralemmaaufstellungen können schwierige Entscheidungssituationen einer völlig neuen Sichtweise zugeführt werden, die oft die Erstarrung des „Sich-nicht-Entscheiden-Könnens“ nicht nur aufhebt, sondern in eine neue Qualität der Entscheidung und des Handelns überführt.

Auch die Aufstellung von hinderlichen Glaubensätzen und Überzeugungen, von persönlichen Werten oder von inneren wie äußeren Konflikten kann mit oft großem Erkenntnisgewinn durchgeführt werden. Bei kreativen Prozessen kann auch eine Aufstellung von fiktiven Charakteren etwa eines Romans oder eines Filmskripts (Drehbuchaufstellungen) hilfreich sein, um mehr über Motivationen und die Tiefenstruktur eines fiktiven Charakters sichtbar werden zu lassen, so dass die zu erzählende Geschichte an Tiefe und Glaubwürdigkeit gewinnt.

Derselbe Wind lässt viele Drachen steigen

Die oben genannten Formen von Aufstellungen sind nicht so separat, wie es in der Beschreibung erscheinen mag. Und die möglichen Aufstellungsformen sind keinesfalls erschöpfend beschrieben. Oft gehen die Formen im Verlauf einer Aufstellung ineinander über, etwa, wenn sich bei einer Aufstellung der Gegenwartsfamilie zeigt, dass eine signifikante Belastung dieses Familiensystems aus der Herkunftsfamilie des Aufstellenden herrührt. Dann wird aus einer Aufstellung des Gegenwartssystems eine Aufstellung des Herkunftssystems. Umgekehrt kann es sich in einer Aufstellung eines Familiensystems als notwendig und sogar zentral erweisen, einen Betrieb oder eine Organisation aufzustellen – bei Familienbetrieben ist dies durchaus nicht selten. (Aber auch aus anderen Gründen kann es sein, dass ein Familienmitglied mehr mit einer Organisation seelisch „verheiratet“ ist, als mit seinem Ehepartner.)

Eine Aufstellung geht aus von deinem Anliegen, von deinem seelischem Anliegen. Und die Aufstellung selber zeigt dann, was wirklich – also tatsächlich wirkend – deine Seele bewegt. Daraus ergibt und entwickelt sich die passende Aufstellungsform.
Die Aufstellung wird zeigen, was jetzt in deiner Seele „ans Licht gebracht“ werden will. Das ist sicher. Vorausgesetzt, du gehst nicht mit einer festen Vorstellung in die Aufstellung, wie sie zu sein habe, oder noch schlimmer, was sie zu zeigen habe.

Wenn du dich unvoreingenommen in eine Aufstellung begibst, dann kann in deiner Seele etwas in Bewegung geraten. Eine Seelen-Bewegung, die in die Heilung führt und in den Fluss des Lebens, deines Lebens.

Für die Anmeldung zu einer Aufstellung in einer Gruppe oder die Terminvereinbarung für eine Einzelaufstellung kontaktiere mich: